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Anforderungsmanagement anstatt Kräfte messen

Anforderungsmanagement anstatt Kräftemessen

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Ein neues Tool muss her doch die Entscheidungsphase nimmt kein Ende? Die Anforderungen von Marketing, Vertrieb oder IT sind oft vollkommen unterschiedlich. Beim Kräftemessen gilt: Je komplexer das Thema, desto klarer muss die Zielsetzung formuliert sein. Durch das richtige Anforderungsmanagement ziehen Abteilungen an einem Strang.

 

Startschuss für die Anforderungserstellung ist bei Vision11 ein Workshop. Um herauszufinden, welche Probleme und Strukturen in den einzelnen Abteilungen bestehen, müssen bestehende Prozesse analysiert werden. Die Kernfragen lauten: Wie wurden die Prozesse bisher gelebt? Wo gibt es Potenzial zur Verbesserung? Können die aktuellen Prozesse verändert werden? Gleichzeitig wird im Workshop aufgearbeitet, welche Erwartungen an ein mögliches Tool bestehen. Ein Kundenbeispiel:

Workshop Anforderungsmanagement

Workshop zum Thema Kampagnenmanagement, Quelle: Vision11

Im Requirement Engineering, d.h. dem Anforderungsmanagement gibt es klare Einteilungen und Definitionen. So unterscheidet man generell zwischen drei Arten von Anforderungen:

Funktionale Anforderungen

legen die Funktionalität fest, die das geplante System zur Verfügung stellen soll.

  • Definition: Eine funktionale Anforderung ist eine Anforderung bezüglich des Ergebnisses eines Verhaltens, das von einer Funktion des Systems bereitgestellt werden soll.

Qualitätsanforderungen

legen gewünschte Qualitäten des zu entwickelnden Systems fest und beeinflussen häufig, in größerem Umfang als die funktionalen Anforderungen, die Gestalt der Systemarchitektur. Anforderungen dieses Typs werden häufig auch der Klasse „nicht funktionaler Anforderungen“ zugeordnet.

  • Definition: Eine Qualitätsanforderung ist eine Anforderung, die sich auf ein Qualitätsmerkmal bezieht, das nicht durch funktionale Anforderungen abgedeckt wird.

Randbedingungen

können nicht beeinflusst werden und schränken die Umsetzungsmöglichkeiten ein

  • Definition: Eine Randbedingung ist eine Anforderung, die den Lösungsraum jenseits dessen einschränkt, was notwendig ist, um die funktionalen Anforderungen und die Qualitätsanforderungen zu erfüllen.

Quelle Chris Rupp; Klaus Pohl: Basiswissen Requirements Engineering. dpunkt.verlag GmbH, 2015, S. 8-9

Kano-Modell: Kategorisierung im Anforderungsmanagement

 

Die Besonderheit des Kano-Modells liegt in der Einteilung in die drei verschiedene Faktoren Basis, Leistung und Begeisterung. Unterschieden wird zwischen unterbewussten, bewussten und unbewussten Anforderungen der Stakeholder. Die Abstufung wird durch die Zufriedenheit erzeugt:

  1. Basisfaktoren: Vermeiden starke Unzufriedenheit (erkennbar durch Beobachtungstechniken)
  2. Leistungsfaktoren: Sinkende Zufriedenheit, bei fehlendem Leistungsfaktor (erkennbar durch Befragungstechniken)
  3. Begeisterungsfaktoren: Wert wird erst bei Nutzung erkannt (erkennbar durch Kreativitätstechniken)
Kano-Modell im Anforderungsmanagement

Beispiel Kampagnenmanagement-Tool, Quelle: Vision11

Auch in unserem Kundenbeispiel konzentrierten wir uns auf die Einteilung der Anforderungen auf User Story Ebene in die drei Faktorarten. Im nächsten Schritt erfolgte eine subjektive Bewertung von Kundenzufriedenheit und Qualitätseigenschaften. Durch diese Herangehensweise lassen sich Anforderungen in einer anderen Weise bewusst machen. So müssen Basismerkmale beispielsweise so gut wie möglich erfüllt werden. Ein Beispiel hierfür: User kann sich trotz Logout-Button nicht mehr ausloggen. In der oberen Grafik unseres Projektbeispiels sind diese Faktoren unterhalb der unteren roten Linie zu finden (z.B. -4/-10 oder 2/-5). Je nach Faktor sind unterschiedliche Werte möglich, die jedoch in einem bestimmten Bereich zu finden sind: So befindet sich das Leistungsmerkmal nur auf der Diagonalen (Werte wie 4/4 oder 9/9). Dieser Ansatz ist auch als Basis für einen weiteren Ausbau bzw. die Verbesserung von Funktionen denkbar.

Fokus User Stories

 

Bei den Formulierungen der Anforderungen gibt es verschiedene Vorgaben. Nachdem das menschliche Kurzzeitgedächtnis begrenzt ist, eignen sich vor allem kurze Sätze und Absätze. Auch die Komplexität innerhalb der Sätze gilt es zu reduzieren – zum einen durch nur eine Anforderung pro Satz zum anderen die Formulierungen im Aktiv und mit nur einem Verb. Vom Aufbau her sind System, Einteilung der Wichtigkeit und die eigentliche Anforderung zu formulieren. Hilfestellung liefert hierbei die Verwendung einer Satzschablone:

Satzschablone Anforderungsmanagement

Quelle: Vision11 GmbH

Das Akronym INVEST wird gerne als Basis für das Erstellen von guten User Stories verwendet. Hier werden sechs relevante Eigenschaften unterschieden:

 

  • independent (unabhängig)

Im bereits beschriebenen Projektbeispiel gab es bereits erste Information bzgl. zwei der Tools. Erfahrungen und auch der rege Austausch im Vorfeld der Erstellung von User Stories erschwerte einen unabhängigen Schreibstil. Laut unserer Erfahrung ist es wichtig eine entsprechende Story so zu formulieren, als ob noch nie mit einem Kampagnentool gearbeitet wurde.

 

  • negotiable (verhandelbar)

Wenn man Anforderungen schreibt und danach ein System dazu auswählt, müssen auch Kompromisse eingegangen werden. In unserem Beispiel lautete eine Anforderung, einen Login über E-Mail und Passwort zu garantieren. Die finale Lösung dagegen bietet nur ein Login über Username und Passwort an. Bei relevanteren Beispielen und Situationen muss ein Workaround oder eine ähnliche Lösung gefunden werden können.

 

  • valuable (werthaltig) für User oder Kunden

Nur wirklich sinnvolle Funktionen müssen auch tatsächlich aufgenommen werden. So ist beispielsweise der Versand von Ware für ein Kampagnenmanagementtool nicht zielführend.

 

  • estimatable (schätzbar)

Entscheidend ist eine grobe Abschätzung von Entwicklungsaufwand und Nutzen. So lässt sich vermeiden, dass Randwerkzeug mit schlechtem Verhältnis von Kosten und Nutzen entwickelt werden. In unserem Projektbeispiel wurde aufgrund abweichender Anforderungen die Frage aufgeworfen, ob eine eigene Login-Seite notwendig ist. Da kein Mehrwert dadurch erzeugt würde, fiel die Entscheidung auf einen Standard-Loginbereich.

 

  • small (klein)

Stories sollten möglichst klein und präzise formuliert sein. Nur so lassen sie sich ausreichend abgrenzen. Beispiele hierfür: Als User möchte ich eine Login-Maske zur Verfügung haben, als User möchte ich mich per Email und Passwort anmelden, als User möchte ich nach einer Stunde automatisch ausgeloggt werden,  etc.

 

  • testable (testbar)

Eine Story muss immer im Nachhinein getestet werden können, um die Umsetzung auch festhalten zu können. Ein Beispiel: Der Server liegt an einem besonderen Ort und wird jeden Tag bewacht. Da dieses Umfeld für uns nicht testbar ist, ist auch die Story für uns schwer realisierbar.

Fazit

Oft werden die Anforderungen vor der Systemauswahl erstellt und eine allgemeingültige Formulierung der Anforderung ist erforderlich. In unserem Projektbeispiel wäre z.B. eine Anforderung: „Der Logout-Button ist in einem Dropdown Menü in der rechten oberen Ecke auswählbar“ zu präzise. Stattdessen lautet die optimale Formulierung: „Als User kann ich mich aus dem System ausloggen“. Dadurch ist sichergestellt, dass eine Anforderung nicht direkt an ein bestimmtes System gebunden ist.

 

Doch was soll ein System können und lässt sich dieser Aspekt auch im Nachhinein testen? Für die Antwort auf diese Fragestellungen ist die einleitende Anforderungsanalyse elementar. Die konkreten Formulierungen, Kategorisierungen und Satzschablonen des Requirement Engineerings entscheiden maßgeblich über die richtige Softwareauswahl. Tatsächlich scheitern viele Projekte am Anforderungsmanagement, weil die IT-Vorhaben nicht die Wünsche der Auftraggeber erfüllt haben. Auch kostspielige Fehlentwicklungen in Projekten können mit Hilfe von präzise formulierten User Stories vermieden werden.

Klicken Sie hier für weitere Informationen und unseren detaillierten Fachbeitrag zu unserem Kundenprojekt zum Thema Anforderungsmanagement.

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