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Design Thinking: Treiber der Innovation

  |   Strategie & Kommunikation

Die Entwicklung der Digitalisierung konfrontiert viele Unternehmen in den Bereichen Wettbewerb, Konsumenten und Politik mit Umbrüchen und Veränderungen. Sie sind dazu gezwungen, Innovationen zu generieren um auf dem Markt bestehen zu bleiben.

 

Was ist Design Thinking?

Design Thinking ist eine kreative Innovationsmethode, die in jeder Art von Unternehmen eingesetzt werden kann, um innovative Lösungen in der Form von Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen oder auch Prozessen zu generieren. Laut der Deloitte Studie „Renaissance der Innovation“ war die Methode Design Thinking 2017 mit 43% die zweitbeliebteste Methode in Unternehmen, um die interne Innovationskapazität zu stärken.

 

Für die Anwender von Design Thinking ist es wichtig, den Zweck der Innovation zu erkennen. Durch die verschiedenen Tools innerhalb der einzelnen Phasen werden die eigenen Erkenntnisse erweitert, sodass der Kunde als Nutzer von Produkten und Dienstleistungen in den Mittelpunkt gestellt wird. Design Thinking vereint und berücksichtigt Faktoren unterschiedlicher Dimensionen. Diese sind:

 

  • Desirability (menschliche Bedürfnisse)
  • Feasability (technische und prozessuale Machbarkeit)
  • Viability (Wirtschaftlichkeit / Geschäftliche Durchführbarkeit)

 

Die Design Thinking-Methode ist so konzipiert, dass sich alle drei Faktoren gegenseitig ausgleichen. Jedoch stehen stets die menschlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt. Die technische Machbarkeit und wirtschaftliche Durchführbarkeit wird an dem Faktor Desirability ausgerichtet und erst am Ende betrachtet. Werden alle drei Dimensionen vereint, entsteht Innovation.

Design Thinking Aufbau

Quelle: Vision11 nach HPI School of Design Thinking

Die Design Thinking-Methode ist durch spezifische Grundprinzipien und Merkmale geprägt, die bei der Umsetzung innerhalb des Innovationsprozesses beachtet werden sollten. Dadurch verhilft die Methode zu dem, was die Anwender fordern: So zu Denken wie Designer, um Lösungsideen auf einer unkonventionellen Art und Weise zu finden.

 

Folgende Grundprinzipien sollten während der Anwendung von Design Thinking beachtet werden:

 

  • Empathie
  • Fehler begehen, oft und bereits im frühen Stadium
  • Stufenweises Vorgehen nach der Methode „Trial & Error“ (im dt. Versuchen und Scheitern)
  • Autonomie
  • Kunden- und Anwendertest
  • Ausschließlich positives Feedback
  • Die Lösung als Prototyp greifbar machen
  • Multidisziplinarität/ Interdisziplinarität
  • Optimistisch und neugierig sein
  • Experimentell
  • Das visuelle Abbilden von Gedanken innerhalb der Prozessschritte
  • Das Einhalten von Regeln, bei der Anwendung von Kreativmethoden innerhalb der einzelnen Phasen
  • Jede Idee, die generiert wird, ist gleich viel wert wie andere
  • Fakten Dafür / Dagegen werden nicht diskutiert
  • Klarstellen, in welcher Phase des Prozesses sich das Team gerade befindet
  • Quantität vor Qualität während der Ideen-Generierungs-Phase
  • Kritik zurückhalten, um die Teilnehmer zu mehr Kreativität zu motivieren und neue Lösungsansätze zu fördern
  • Teams, in denen alle Mitglieder auf der gleichen Hierarchie-Stufe sind

 

 

Human-Centered Design-Ansatz

Im Mittelpunkt der gesamten Design Thinking-Methode steht der Human-Centered Design-Ansatz. Er stellt den Nutzer in den Mittelpunkt. Dabei wird er mit allen Emotionen, Wünschen und Ängsten genauestens von den Design Thinking-Anwendern analysiert. Die durch Design Thinking entstehende Lösung soll den Nutzer entlasten und ihm einen gewissen Mehrwert bieten, sodass er auch garantiert auf die dabei entwickelte Lösung zurückgreifen wird. Daher ist es wichtig, dass sich das Design Thinking Team während des gesamten Prozesses in den Nutzer empathisch hineinversetzt und dessen Alltag und Gefühle genauestens analysiert und repliziert.

 

 

Optimale Räumlichkeiten

Design Thinking sollte immer in einem für den Workshop angepassten Raum mit viel Möglichkeiten zum kreativen Arbeiten zur Verfügung gestellt werden. Viel Fläche, Post-its, Whiteboards sowie Bastelmaterial sind unverzichtbar bei der Anwendung dieser Methode. Das Unternehmen SAP – Vorreiter und Unterstützer dieser Methode – geht sogar schon so weit, dass für Design Thinking den Mitarbeitern eigens angepasste Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, in denen regelmäßig Design Thinking-Workshops stattfinden.

 

 

Multidisziplinäres Team

Für das Durchlaufen des Design Thinking Prozesses sollte darauf geachtet werden, dass das Team aus vielfältigen und vor allem unterschiedlichen Charakteren und Fachrichtungen zusammengestellt wird. Optimal sind dabei Teammitglieder mit dem sogenannten T-Profil. Der Horizontale Balken beschreibt dabei das Fachgebiet einer gewissen Person. Der vertikale Balken steht für die Fähigkeit, sich Expertenwissen in weiteren Bereichen aneignen zu können.

 

Des Weiteren ist es wichtig, dass die einzelnen Mitglieder Ausprägungen in folgenden Disziplinen haben:

 

  • Empathie
  • Integratives Denken
  • Experimentierfreude
  • Kollaborationsfähigkeit
  • Optimismus

 

 

Phasen des Prozesses

Der Design Thinking Prozess wird in verschiedene Phasen eingeteilt, die iterativ miteinander verbunden sind. Dabei gibt es verschiedene Modelle. Der in Kreativprozessen der Vision11 bereits erprobte Design Thinking Ansatz richtet sich dabei an das Modell des Hasso-Plattner-Instituts. Es besteht aus sechs Phasen, die iterativ miteinander verknüpft sind und in dessen einzelnen Etappen verschiedene Kreativitätstools angewendet werden:

 

  1. Verstehen: Im ersten Schritt wird das Problem, welches am Anfang des Prozesses gestellt wurde, auf ein vollständiges Verstehen geprüft. Durch das richtige Stellen von Fragen wird die Analyse erweitert, um eine passende Fragestellung zu finden. Daraufhin folgt die gründliche Analyse der Problemstellung. Dabei wird auch definiert, ob es sich um ein komplexes oder einfaches Problem handelt.
  2. Beobachten: Diese Phase beinhaltet das Beobachten und Analysieren der potentiellen Nutzer. Dabei wird von den Teammitgliedern Empathie für den Nutzer aufgebaut. Das emphatische Beobachten der potenziellen Anwender im pberuflichen sowie privaten Alltag und das verstehen von dessen Wünschen und Bedürfnissen bildet dabei die Grundlage für diesen Prozessschritt. Hierbei sollten so viele Ergebnisse und Informationen wie möglich gesammelt werden.
  3. Sichtweisen definieren: Hierbei wird das Team auf den aktuellen Stand gebracht und alle bereits gesammelten Informationen und Erkenntnisse geordnet, bewertet und verdichtet. Auch werden in dieser Phase Personas erstellt, die für die weiteren Prozessschritte von großer Bedeutung sind. Das Ergebnis dieser Phase ist gleichzeitig auch das Abschließen mit dem Problemraum. Die dabei entstandene gemeinsame Sichtweise dient als Grundlage für die weiteren Schritten zur Lösungsentwicklung.
  4. Ideen finden: In dieser Phase geht es zunächst einmal darum, so viele potentielle Ideen wie möglich zu generieren, ohne diese zu bewerten. Dabei steht das Prinzip Quantität vor Qualität im Vordergrund. Auch ist es wichtig, die bereits erstellte Persona weiterhin im Blickwinkel zu haben. Im weiteren Schritt werden die gesammelten Ideen geclustert und die am besten geeignete Idee kollektiv im Team ausgewählt. Im Rahmen eines internen Vision11-Projektes wurde in dieser Phase die Methode User Story Mapping aus der Softwareentwicklung angewendet, deren Ergebnis einen ersten rudimentären Prototyp ergab.
  5. Prototypen entwickeln: Hierbei wird die ausgewählte Idee zunächst einmal in schnelle und rudimentäre Prototypen umgesetzt. Dies hat den positiven Effekt, dass die Idee greifbar und erlebbar wird. Auch sollte sich nicht auf einen einzigen Prototyp konzentriert, sondern während des Entwickelns und Testen-Prozesses mehrfach verworfen und optimiert werden. Die einzelnen Prototypen sollten jeweils durch die potentielle Zielgruppe getestet und das Feedback in einen neuen Prototyp integriert werden. Dabei entsteht eine iterative Schleife zwischen diesen beiden Phasen. Gerade in dieser Phase lautet das Hauptkriterium Fehler machen, um zu lernen und neue Erkenntnisse zu sammeln.
  6. Testen: Diese Phase, welche eng mit der vorhergehenden Phase verbunden ist, beinhaltet das Testen des Prototyps durch den potentiellen Anwender. Das Feedback und die Verbesserungsvorschläge werden in einen neuen Prototyp eingearbeitet. Hierbei wird geprüft, was den Testern besonders gut gefällt, was für weitere Wünsche und Ideen sie an bzw. für den Prototypen haben.
Design Thinking Räume

Quelle: Vision11 nach HPI School of Design Thinking

Implementierung in den Innovationsprozess

Die Praxis hat gezeigt, dass eine Kombination des Design Thinking-Ansatzes mit anderen Innovationsmethoden besonder Vorteile erzeugen kann. Im Rahmen eines internen Innovationsprozesses der Vision11 kristallisierte sich das User Story Mapping aus der Softwareentwicklung als optimale Ergänzung heraus. Durch das Zusammenspiel lassen sich eventuelle Schwachstellen einzelner Methoden beseitigen. Da Design Thinking keinen festgelegten Prozess hat, ist es auch durchaus möglich einzelne Phasen weg zu lassen oder nur die wichtigsten durchzuführen. So entsteht ein wichtiger Vorteil für die Anwender der Methode: Sie können die für sich passenden Prozessschritte auswählen. Trotzdem bietet der vordefinierte Prozess Orientierung innerhalb des Innovationsprozesses. Die Mitarbeiter werden dazu bewegt, sich kreativ auszuleben und alte Denkweisen aufzubrechen. Denn das Motto von Design Thinking lautet: Je ausgefallener die Ideen sind, desto besser für die Lösungsfindung!